Lubuntu mit LXQt

LXQt

siduction hat vor weit über 4 Jahren als erste Distribution einen Flavor mit LXQt angeboten gehabt, damals natürlich noch mit der niedrigen Version 0.7 (wobei unter Linux bzw. bei OSS 0.x-Versionsstände nur aussagen, daß noch nicht sämtliche geplanten Funktionen enthalten sind), aktuell ist 0.13. Hauptanteil daran hat bis heute Alf Gaida, der als Entwickler gefühlt “überall” mitspielt. ;-)

Nach Jahren der Versprechungen, bei der nächsten Version wolle man, blabla, und einem “Lubuntu-Next”-Paralleltestlauf steigt man mit dem am Donnerstag erscheinenden Lubuntu 18.10 endlich auf LXQt um.

Genaugenommen ist es keine Lubuntu-Version mit mehr oder weniger aktualisierten Paketen, sondern ein neues, anderes Derivat.

Der Wechsel ist nicht ganz freiwillig, weil anderes toller ist. Distributionen/Derivate mit auf dem Framework Gtk+2 basierenden Desktop Environments haben sich allesamt überlegen müssen, wie es weitergehen soll, da dies nun so langsam aber sicher Geschichte ist. Bei manchen DEs ist man auf Gtk+3 umgestiegen, die Entwickler von LXDE und razor-qt haben sich dagegen vor Jahren zusammengefunden, um LXQt basierend wie der Name schon sagt auf dem Framework Qt (kurz für cute, gesprochen “kjut”) zu schaffen. Kompatibilität zwischen Hauptversionen innerhalb eines Frameworks gibt es eh nicht, also hat man auch komplett wechseln können.

Wie schon LXDE hat auch LXQt keinen eigenen Window Manager, sondern setzt auf einen geeigneten auf. siduction/LXQt hat mehrmals gewechselt und vorinstalliert derzeit xfwm4. Bspw. der LXQt-Flavor Fedoras setzt auf OpenBox auf, so auch Lubuntu.

Da ich ressourcenschonende DEs (OS generell) propagiere, habe ich selbstredend und aus LXDE-Tradition bei LXQt mit OpenBox begonnen, dies sitzt auch noch unter meiner Antergos-LXQt-Installation. Konfigurationsmöglichkeiten sind unter OpenBox und xfwm4 natürlich unterschiedlich (unter OpenBox kann man compton installieren, xfwm4 hat bereits plastische Effekte integriert), unter siduction habe ich mich letztendlich dann doch für letzteres entschieden. Möglich ist sowohl als auch, auch unter Lubuntu.

Eine Distribution bzw. ein Derivat zeichnet nicht nur das Aussehen aus, sondern es sind eben auch die vorinstallierten Pakete. Da auf Qt5 gewechselt worden ist, sind auch diese bzw. deren Frontends ersetzt worden.

Als Beispiele seien QTerminal (vorher LXterminal), FeatherPad (vorher Leafpad), qBittorrent (vorher Transmission) genannt. Der Filemanager liegt nun als PCmanFM-Qt vor (und ist mittlerweile sogar nutzbar).

Der Display Manager (grafischer Login-Manager) SDDM hat LightDM verdrängt. Wenn man ihn ansprechend konfiguriert (also nicht so wie im LCosmic-Daily), kann man ihn verwenden – oder man ersetzt ihn wieder durch den mehr oder weniger ausgereiften LightDM.

Im “Experten”-Thread zu Cosmic beklagt man sich, daß im LCosmic-Image Ubiquity nicht vorhanden ist, wie solle man denn so installieren…Nun, das könnte daran liegen, daß das moderne Calamares dafür vorgesehen ist.

Lubuntu mit Calamares

gksudo und kdesudo sind mit Begründungen zur Sicherheit seit geraumer Zeit aus aktuellen Distributionen/Dervaten/DEs entfernt worden. Teils mag es stimmen, provoziert aber Umgehungsversuche, die ihrerseits Probleme bringen können. Auch ein manuelles Installieren bringt nichts, da dies diverse grafische Programme bzw. das dahinterliegende Rechtesystem mit Unwillen quittieren. Unter LXQt geht man diesen Weg nicht mit, sondern bietet lxqt-sudo an.

Etliche Distupgrades von einer Lubuntu-Version zur nächsten sind in den Jahren weitgehend problemlos vonstatten gegangen, nichts, was nicht reparierbar gewesen ist. Diesmal sei vor einem Distupgrade von Lubuntu 18.04 auf 18.10 ausdrücklich gewarnt.

Eine Übernahme der LXDE-Konfiguration für den LXQt-Desktop wird zwar angeboten, das sollte man jedoch tunlichst ablehnen (und wenn das funktioniert hätte, hätte mich das gewundert). Sowas wäre zwar nicht unmöglich, endet praktisch aber in einem zerschossenen Desktop. Die alternativ zu ladende default configuration allerdings auch, jedenfalls vor knapp 4 Wochen. Dazu kommen diverse andere Unstimmigkeiten, bspw. ist keine SPU mehr gefunden worden (nichts weltbewegendes, RTL, hat noch nie Probleme gemacht), Rechtsklick, sprich Kontextmenu, keine Reaktion.

Das alles hat mich allerdings nur belustigt und mich in Summe den u.a. wegen chronischer Inaktualität seit langem geplanten Umstieg auf eine von drei Alternativen durchführen lassen (daß es siduction geworden ist – vorerst – liegt nur daran, daß der Installer meiner Präferenz Antergos in 18.09 einen fetten Bug hat, der das unmöglich gemacht hat – mittlerweile gibt’s 18.10).

Ich sehe freilich schon die üblichen weinerlichen “geht nicht mehr nach Update”-Postings im größten deutschsprachigen Linux-/Ubuntu-Forum, weil man dort noch nicht mal im Bruchteil des Promillebereichs selbst etwas auf die Reihe bekommt, auch wenn man Jahre dabei und alles schon unzählige Male ausführlichst erklärt worden ist (mal davon abgesehen, daß sowas kein Update, sondern ein Distupgrade ist, also etwas wesentlich größeres).

Also: Lubuntu 18.10 für Interessierte ja, aber eine saubere Neuinstallation.

Noch ein Wort zur Image-Größe. Von CD700-Size hat man sich auch unter Lubuntu vor Jahren verabschiedet. Nun aber in die Vollen zu gehen, erachte ich als völlig unsinnig. LCosmic x64 ist mittlerweile bei 1.6 GiB (!) angelangt. Das hat nur wenig mit dem Wechsel des DEs zu tun, sondern mit unmöglichen Beigaben wie LibO, das allein 220 MiB auf die Waage bringt. Zu sagen, ja, da hat man gleich “alles wichtige” dabei, Abiword und Gnumeric will eh keiner haben (letzteres ist schon richtig), LibO wird immer nachinstalliert, ist verdammt kurzsichtig. Es mag im Moment aktuell sein, in spätestens 3 Wochen jedoch nicht mehr. Wer dann LCosmic zieht, hat unnötigen Traffic und sinnlose Installation einer alten LibO-Version.

(Die Screenshots stammen von einer Installation mit dem zweiten Daily Build vom Freitag in einer VM, VBox 5.2.19-125724 unter siduction.)