antergos’ Reinkarnation: endeavouros

EndeavourOS

Der Name

Der Name der neuen arch-basierten Distribution birgt verdammt viel Potential einer Falschschreibung, insbesondere die englische Schreibung statt der amerikanischen (wie schon beim namentlichen Space Shuttle, auf das sich die Protagonisten beziehen). Dazu das Anfangs-“e” und/oder “os” versal oder nicht. Auch, wenn ich gemeinhin die jeweiligen Eigenschreibweisen verwende, werde ich nicht schreiend durchgängig großschreiben, sondern wie bei anderen Linux-Distributionen gezieltes Understatement, also endeavouros (und auch so gesprochen).

Nein, Namen sind nicht Schall und Rauch, im Gegenteil mit Logo/Schriftzug Aushängeschild. Freilich bekommen sie erst durch den Inhalt Bedeutung. Nun, gegenüber antergos (abgeleitet vom galicischen Wort für Ahnen) erscheint mir die Hernahme eines bestehenden und bedeutungsbesetzten Wortes nicht einfallsreich (beim Logo hat es auch einen besseren Vorschlag gegeben).

Der Inhalt

Aber konzentrieren wir uns auf eben den Inhalt. archlinux ist eine Rolling Release Distribution, d.h., es gibt keine Release Dates wie bei den meisten Linux-Distributionen (bspw. letztes Wochenende debian 10 buster, stable, wie langweilig), sondern laufende Aktualisierung. Das funktioniert sogar sehr gut (siduction versucht das auch, aber debian sid, auf dem es basiert, hat per se permanenten Entwicklungsstatus, ist keine RRD für Produktivsysteme, da knirscht es zuweilen bei Transitions gewaltig). Jedoch ist arch keine Distribution für nach-Jahren-noch-nicht-weiter-Ubuntu-User. Das zeigt schon der nerdige Registrierungsvorgang auf archlinux.org (es ist die Ausgabe einer Shell-Befehlszeile zu copypasten).

Nichtsdestotrotz muß man ja nicht alles unnötig erschweren (wobei…Ubuntu hätte es in den letzten Jahren gutgetan…verspielt). So hat vor etlichen Jahren bereits ein Script Dritter die Basisinstallation zeitgemäß angepackt. Das an sich würde auch heute genügen, es muß keine extra Distribution geben. Hat es aber mit cinnarch, das später zu antergos umbenannt worden ist, da Cinnamon nicht mehr das default DE gewesen ist. Die nicht mal Handvoll Macher haben 7 Jahre durchgehalten. Das ist in diesem Metier beachtlich.

Antergos ist sehr nah an archlinux (gewesen), hat nichts zurückgehalten oder verändert wie Manjaro (das bringt diesem immer wieder Kritik ein), nur wenige zusätzliche Pakete in einem extra Repository angeboten und dazu einen anständigen Installer geliefert (auch, wenn cnchi bisweilen Probleme gehabt hat).

Das hat nun auch den Vorteil, daß man aus einem antergos leicht ein arch zaubern kann (antergos-Repo, das eh abgeschaltet werden wird, ‘raus, daraus installierte Pakete und deren Abhängigkeiten deinstallieren, wenn für nötig erachtet, entsprechendes aus einem AUR ähnlich einem PPA wieder installieren). Ja, strikte arch-User werden auch das anders sehen, von wegen nur arch-User wüßten, was sie installiert haben…haha, dem steht aber so manches trübe Posting entgegen.

Ende und Neuanfang

2019-05-21 haben die Maintainer nun bekanntgegeben gehabt, antergos einzustellen (es ist schon etwas im Busch gewesen, da der monatliche Snapshot ausgeblieben ist). Nach nur sehr kurzer Zeit haben sich jedoch dafür neue Leute aus der bislang zweiten Reihe gefunden, die Distribution unter neuem Namen leicht verändert fortzuführen (z.B. mit calamares statt hauseigenem cnchi). Seitdem gibt es gefühlt soviel Traffic im noch bestehenden antergos-Forum und vor allem im seit 2019-07-02 freigeschaltetem neuem endeavouros-Forum (mit endlich brauchbarer Foren-Software statt dieses miesen WP-Plugins) wie in den letzten Jahren nicht.

Dabei gibt es auch Träumereien mancher, was alles ‘rein sollte (welch ein Unsinn – schlank und so original wie möglich), die meisten antergos-User freuen sich einfach, daß es mit frischem Wind weitergeht. Man sollte freilich wirklich nicht vergessen, daß es derzeit nur 3 Enthusiasten sind. Da man jedoch noch näher an arch bleiben will, als es antergos eh schon gewesen ist, sollte die Sache machbar sein. Und Nischendistribution her oder hin, man könnte jederzeit auf archlinux switchen.

Es sind 3 öffentliche Dev-Versionen erschienen. Für heute, 2019-07-15, ist die Final der sog. offline-Version angekündigt. Gut, das ist ein festes Datum, aber es muß ja mal anfangen. ;-)